Der Test
Wenn sich jemand mit dem HI-Virus ansteckt vermehrt sich das Virus, bis der Körper beginnt, eine Abwehr gegen den Eindringling aufzubauen; er bildet Antikörper. Gleichzeitig vermehrt sich das Virus sehr schnell. Diese Phase wird Primoinfektion genannt.
Um eine Infektion nachzuweisen oder auszuschliessen, stehen heute zwei Testverfahren bereit: Schnelltests (Resultat nach einer halben Stunde) suchen nur nach Antikörpern gegen HIV, Kombinationstests (Resultat in der Regel am Folgetag) sowohl nach Antikörpern gegen HIV wie nach Bestandteilen der HI-Viren.
Kombinationstests können oft bereits zwei Wochen nach einer Risikosituation feststellen, ob du dich angesteckt hast, d.h. HIV-positiv bist. Zuverlässig ausschliessen, dass eine Infektion erfolgt ist, können sowohl Kombinationstest wie Schnelltest aber erst drei Monate nach einer Risikosituation.
Konkret: Jemand ist heute nur dann HIV-negativ, wenn der Test negativ ausfällt und in den drei Monaten vor dem negativen Test bis heute kein Risiko einer Übertragung bestand!
In den ersten Wochen nach einer Ansteckung ist man besonders ansteckend, weil sich das Virus so stark vermehrt. Deshalb kann es sehr gefährlich sein, mit einem Mann, der von sich sagt, er sei HIV-negativ, ungeschützten Sex zu haben. Viele Übertragungen passieren zwischen Männern, die meinen, sie seien HIV-negativ – es aber nicht sind.
Das Resultat
Test negativ – alles bestens?
Fällt ein HIV-Test negativ aus, dann bedeutet dies, dass keine Antikörper gegen HIV gefunden wurden. Es liegt also keine HIV-Infektion vor. Zuverlässig ist das Resultat allerdings nur, wenn der Test erst drei Monate nach einer Risikosituation durchgeführt wurde.
Oder anders: Ein negatives Testresultat sagt nichts aus über eine allfällige Infektion innerhalb der drei Monate, die vor dem Test liegen. Ist es in dieser Zeit wieder zu einer Risikosituation gekommen, besteht keine Gewissheit.
Vor allem bedeutet ein negatives Resultat nach einer Risikosituation nicht, dass du immun oder besonders widerstandsfähig gegen HIV bist – sondern nur, dass du Glück hattest.
Ein positives HIV-Testresultat hat vielfältige persönliche, medizinische, rechtliche und gesellschaftliche Konsequenzen. Deshalb ist es sinnvoll, wenn du dich vor dem Test persönlich beraten lässt – z.B. bei einer regionalen Aids-Hilfe, in einem Checkpoint, bei deinem Hausarzt, deiner Hausärztin oder bei einem anonymen Testzentrum (Adressen).
Test positiv – was tun?
Es gibt kein Mittel, das die HIV-Infektion rückgängig machen könnte, aber der medizinische Fortschritt ermöglicht es heute vielen HIV-positiven Menschen, ein weitgehend normalesLeben zu führen. Aber nach wie vor erleben viele das Testergebnis als tiefen Einschnitt in ihr Leben.
Ängste kommen auf: vor Krankheit, Schmerzen und einem möglicherweise frühen Tod, vor den Reaktionen von Freunden und Angehörigen sowie des gesellschaftlichen Umfelds. Viele Menschen mit HIV müssen sich in ihrem sozialen Umfeld mit Unverständnis und Ablehnung auseinandersetzen.
Oft ist es aus eigener Kraft nicht möglich, das positive Testresultat zu verarbeiten. Mit Menschen des Vertrauens darüber zu sprechen, ist hilfreich. Auch die regionalen Aids-Hilfen haben Angebote, z.B. Beratung und «Positiven-Gesprächsgruppen» (Adressen).
Sexualität ist ein wichtiger Teil des Lebens. In der ersten Zeit nach dem positiven Testergebnis haben viele HIV-infizierte Menschen aber Schwierigkeiten damit, zum Beispiel wegen der Sorge, andere anzustecken.
Es gibt keinen objektiven Grund, weshalb HIV-positive Menschen auf Sexualität verzichten sollten. Lustvolle Sexualität ist auch bei Einhaltung der Safer-Sex-Regeln möglich – und damit sind Sexpartner optimal geschützt.
Soll ich mich testen lassen?
Nicht wenige schwule Männer lassen sich regelmässig auf HIV testen, einfach um Gewissheit zu haben. Wirklich Sinn macht ein HIV-Test aber nur ...
- ... nach einer Risikosituation, dann aber unverzüglich (innerhalb von 72 Stunden), dabei muss auch über die Notwendigkeit einer PEP-Behandlung entschieden werden.
- ... wenn du in einer treuen Beziehung lebst und Ihr auf das Präservativ verzichten möchtet.
- ... wenn du Symptome hast (siehe Kasten unten), die auf eine HIV-Infektion hindeuten könnten, und dein Arzt oder deine Ärztin möchte deren Ursache abklären.
Symptome einer HIV-Infektion
In den ersten Wochen nach einer HIV-Übertragung treten häufig grippeähnliche Symptome auf (z.B. Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, geschwollene Lymphdrüsen, Muskelschmerzen, Durchfall, Erbrechen oder auch Hautausschläge).
Mehr Informationen zum Verlauf einer HIV-Infektion findest du hier.
Wenn du dich fragst: „Test: ja oder nein?“, solltest du dich beraten lassen. Beratung wird z.B. von den regionalen Aids-Hilfen, den Test- und Beratungsstellen der Universitätskliniken, dem Checkpoint und anderen Institutionen sowie von erfahrenen Ärzten und Ärztinnen angeboten.
Genaueres bietet die Broschüre «HIV/Aids - Heutiger Wissensstand»
Wo kann ich mich testen lassen?
Anonym wird der Test beim Checkpoint, bei den Test- und Beratungsstellen verschiedener Universitätsspitäler, weiteren Kliniken und einzelnen Labors durchgeführt. Hier eine Auswahl an Adressen.
Auch bei deinem Hausarzt oder deiner Hausärztin kannst du dich testen lassen. Die Krankenkassen übernehmen aber die Kosten bei einem anonymen Test nicht. Du musst mit Kosten zwischen 50 und 80 Franken rechnen.
Die Aids-Hilfe Schweiz oder eine der regionalen Aids-Hilfen (Adressen) können ebenfalls darüber Auskunft geben, wo der Test sachgemäss durchgeführt wird.
